30.11.15 – Prof. Dr. A. Effenberger

Konstantinopel im 15. Jahrhundert – Cristoforo Buondelmonti und Cyriacus von Ancona

Montag, 30. November 2015, 18:15 Uhrarch132
Hörsaal Kunstgeschichte (02 521),

Georg Forster-Gebäude (Campus), Jakob-Welder-Weg 12

Der Florentiner Humanist Cristoforo Buondelmonti (1386-um 1430) bereiste seit 1414 die Inseln der Ägäis und der Propontis und publizierte seine Beobachtungen im „Liber insularum archipelagi“ zusammen mit schematischen Darstellungen der jeweiligen Inseln. Zweimal (1420 und 1421/22) hielt er sich auch in Konstantinopel auf. Um 1420 fertigte er für den litauischen Großfürsten Witold die „membrana maxima“, eine Darstellung von Konstantinopel aus der Vogelperspektive. Diese nicht erhaltene Stadtdarstellung bildete die Vorlage für das Konstantinopelbild im „Liber insularum archipelagi“, der ein ausführliches Kapitel über die byzantinische Hauptstadt enthält. Die Ansicht ist in über 70 handschriftlichen Kopien des Werkes in höchst unterschiedlichen Fassungen überliefert, von denen die wenigsten auf Autopsie der Stadt beruhten. Von besonderer Bedeutung ist aber eine Handschrift in Düsseldorf, die eine getreue Darstellung der bereits mit zahlreichen Bauten aus der Zeit Mehmets II. angefüllten Stadt bietet und im genuesischen Milieu von Galata-Pera entstanden sein dürfte.
Der Kaufmann und Humanist Cyriacus von Ancona (um 1391-um 1455) bereiste und erforschte ebenfalls Teile der Inselwelt und der Levante. Mehr noch als Buondelmonti zeichnete er sich durch ein ausgeprägtes archäologisches Interesse an den griechischen Denkmälern und erhaltenen Inschriften aus. Zwischen 1418 und 1447 weilt er mindesten siebenmal in Konstantinopel, wo er als erster Zeichnungen der Hagia Sophia (nur zwei sind in Kopien des Giuliano da Sangallo überliefert) und der Reiterstatue Justinians vom Augustaion anfertigte.

 

Prof. Dr. Arne Effenberger: Studium an der Humboldt-Universität zu Berlin (Klassische Archäologie, Ur- und Frühgeschichte, Christliche Archäologie). 1969 Promotion an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Dissertationsthema: „Studien zur Tyche von Antiochia“). Seit 1972 Direktor der Frühchristlich-byzantinischen Sammlung der Staatlichen Museen zu Berlin im Bode-Museum auf der Berliner Museumsinsel. 1994-2007 Direktor der Skulpturensammlung und des Museum für Byzantinische Kunst. Seit 1996 Honorarprofessor an der Freien Universität Berlin. Forschungs- und Publikationsschwerpunkte: Frühchristliche, koptische und byzantinische Kunst; byzantinische figurale Skulptur; historische Topographie von Konstantinopel; Geschichte der byzantinischen Studien.