Vorträge SS 22

Dienstag 10. Mai 2022, 18 Uhr Fällt krankheitsbedingt aus

Prof. Dr. R. Warland, Freiburg

Codex Rossanensis, Wiener Genesis und die Hagia Sophia in Konstantinopel im Jahr 562. Vom Übergang der Kosmos-Allegorese zur biblischen Heilsgeschichte

In der Kunst des 6. Jh. lassen sich verborgene allegorische Lesarten zu Weltordnung und Gottesbild erkennen: Diese kulminieren im Rossano-Codex mit seinen Miniaturen zu den Wundern Christi.  Die Schwesterhandschrift der Wiener Genesis folgt ihm, wenn auch in erheblich geringerem Umfang. Eine historische Kontextualisierung der Miniaturen macht es wahrscheinlich, dass beide Handschriften zur Neuweihe der Hagia Sophia Weihnachten 562 bzw. Epiphanie 563 angefertigt wurden. Der wiederhergestellte Kuppelbau der Hagia Sophia war in seinem Verzicht auf figürliche Bilder ebenfalls als allegorischer Bau zu verstehen, in dem sich das göttliche Licht des Kosmos spiegelte. Als einzigartiger Referenzbau der Weltherrschaft Justinians wie auch der Gegenwart Gottes wurde dieser nun durch die biblischen Handschriften und die Neuschöpfungen der liturgischen Kunst näher bestimmt.

Philosophicum 00-141 (P2)

Dienstag, 21. Juni, 18 Uhr

Prof. Dr. A. Külzer, Wien

Neue Forschungen zum spätantiken und byzantinischen Westkleinasien: die Arbeiten der Tabula Imperii Byzantini in den Provinzen Asia und Lydia

Das Gebiet der spätantiken und frühbyzantinischen Provinzen Asia und Lydia im westlichen Anatolien umfaßt etwa 35.000 Quadratkilometer; es reicht von der südlichen Trōas und den Abhängen des Idē-Gebirges (Kaz dağı) im Norden bis zur Mündung des Maiandros (Küçük Menderes Nehri) im Süden, von der Ägäis-Küste im Westen bis zu den Simav dağları im Osten. In diesem Gebiet liegen mit Ephesos (Selçuk), Smyrna (İzmir) und Pergamon (Bergama), mit Sardeis (Sart), Philadelpheia (Alaşehir) und Thyateira (Akhisar) bedeutende Zentralorte und Marktzentren der Vergangenheit, die Region bietet mit dem Tal des Kaÿstrios (Küçük Menderes), der Halbinsel Erythraia (Çeşme Yarımadası) oder der Gebirgsregion im nördlichen Lydien aber auch weniger bekannte Siedlungszentren. Der Vortrag wird zunächst das Projekt Tabula Imperii Byzantini und die angewendeten Arbeitsmethoden vorstellen, um danach neu gewonnene Forschungserkenntnisse zum regionalen Straßennetz Westanatoliens, zu den Häfen und ihrer Anbindung an das Hinterland oder zu Einzelheiten der lokalen Siedlungsstrukturen zu präsentieren.

Erste Lesehinweise:

  1. Külzer, Dornröschen erwacht… Neue Forschungen auf der Halbinsel Erythraia (Çeşme Yarımadası) im westlichen Kleinasien, in: J. Drauschke – E. Kislinger – K.- Kühtreiber – Th. Kühtreiber – G. Scharrer-Liška – T. Vida (Hrsg.), Lebenswelten zwischen Archäologie und Geschichte. Festschrift für Falko Daim zu seinem 65. Geburtstag. Bd. II. Mainz 2018, 741–748
  2. Külzer, Reconstructing the Past in a Changing Landscape: Reflections on the Area of Ephesus and other Sides in Western Asia Minor. Gephyra 16 (2018) 75–90.

Philosophicum 00-141 (P2)