12.5.15, Vortrag N. Büchsenschütz M.A.

Die frühchristliche Sarkophagplastik der spätantiken Hispania: Das „Rätsel der westlichen Mittelmeerländer“

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Sog. 'Sarkophag der receptio animae', Zaragoza

Dienstag, 12. Mai 2015, 18.15 Uhr, HS 02-521, Georg Forster-Gebäude, Jakob-Welder-Weg 12

 

Die Zusammenstellung aller bisher bekannten Sarkophage und Sarkophagfragmente der Iberischen Halbinsel und Marokkos löst ein seit langem offenes Desiderat der Sarkophagorschung ein: Den schon vorhandenen Repertoriumsbänden (Rom und Ostia [I], Italien, Dalmatien und Museen der Welt [II], Frankreich, Tunesien, Algerien [III]) ist nunmehr auch für Hispanien (sowie die Mauretania Tingitana = Marokko) eine moderne Zusammenstellung der mit christlicher Ikonographie versehenen spätantiken Sarkophage hinzugefügt worden. Dieses Vorhaben ist im Rahmen eines zweijährigen Aufenthalts in Madrid verwirklicht worden und im Rahmen von verschiedenen Forschungsreisen, die den gesamten geographischen Raum abdeckten, wurden 153 Sarkophage und Sarkophagfragmente mit Relevanz für das Repertorium gesichtet und dokumentiert: Maße, Material, Fundort, eine Kurzbibliographie, eine ikonographische sowie eine stilistische Beschreibung und schließlich Angaben zu Datierung und Provenienz wurden dokumentiert, wobei all die Änderungen und Neuerungen berücksichtigt worden sind, die sich seit den letzten Großpublikationen 1954 und 1975 ergeben haben.

Im Rahmen des Vortrages wird im besonderen die Herkunftsfrage am Beispiel einiger ausgewählter Stücke beleuchtet werden: Vor allem im Hinblick auf die zahlreichen Kulturkontakte der spätantiken Hispania zu den benachbarten Provinzen soll ein Modell entwickelt werden, das den Aspekt der Mobilität sowohl von Bildwelten als auch von Material und ausgebildeten Fachkräften berücksichtigt. Das bisher angenommene Primat stadtrömischer Importe und die daraus abgeleitete vermeintliche Dichotomie zwischen diesen Stücken und lokalen Arbeiten sollen in Frage gestellt und die Diskussion um eine Beantwortung der Herkunftsfrage mittels eines hierfür geeigneten methodischen Apparats eröffnet werden.

 

Nora Büchsenschütz M. A.: Studium der Christlichen Archäologie, Klassischen Archäologie und Ägyptologie an der Georg-August-Universität Göttingen. 2013-2015 Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für christliche Archäologie/Byzantinische Kunstgeschichte (Göttingen) mit Dienstort Madrid im Rahmen der durch die DFG finanzierten Erstellung von „Repertorium der christlich-antiken Sarkophage IV“ (Promotionsschrift im Prüfungsverfahren).

 

Auswahlliteratur: G. Bovini, I sarcofagi paleocristiani della Spagna (Città del Vaticano 1954); H. Schlunk – Th. Hauschild, Hispania Antiqua. Die Denkmäler der frühchristlichen und westgotischen Zeit (Mainz 1978); G. Koch, Einige allgemeine Überlegungen zur Problematik ‚Original – Kopie‘ bei den kaiserzeitlichen Sarkophagen, in: G. Koch – F. Baratte (Hrsg.), Akten des Symposiums ‚Sarkophage der Römischen Kaiserzeit: Produktion in den Zentren – Kopien in den Provinzen‘ Paris 2.-5. November 2005, SarkSt 6 (Ruhpolding und Mainz 2012) 1-16; K. Porter, Romanische Plastik in Spanien 1 (Leipzig 1928); H. Schlunk, Sarcófagos paleocristianos labrados en Hispania, in: Actas del VIII Congreso Internacional de Arqueologia Cristiana Barcelona, 5.-11. Oktober 1969 (Barcelona 1972) 187-218; M. Sotomayor, Sarcófagos romano-cristianos de España (Granada 1975); S. Vidal Álvarez, La escultura hispánica figurada de la Antigüedad Tardía (siglos IV-VII) = CSIR 2.2 (Murcia 2005).